Folge 17 – Heinrich Kronbichler, Vorstand WBS Training AG über Gemeinwohl-Ökonomie und Herzlichkeit

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Was ich machen würde: Ich würde die Rüstungsausgaben dramatisch reduzieren (…) wenn man die Liebe fördert und in der Gesellschaft mehr das Miteinander fördert, das Geld dafür ausgibt, das wäre unglaublich.

Kun Ya spricht mit Heinrich Kronbichler über Herzlichkeit als Vision und als zentrales Element der Unternehmenskultur. 

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Heinrich, den Wirtschafts- und Bildungsservice (WBS) hast du in den 90-er Jahren vom Ernst Klett Verlag gekauft und zu einem mittelständischen Unternehmen mit inzwischen 200 Niederlassungen und 1.300 Mitarbeitern entwickelt.
In Berlin betreibst du zudem das Bio-Hotel Essentis und in Pommritz baust du mit dem LebensGut ein sozial-ökologisches Projekt und eine Art Zentrum für Bewusstsein auf.

Ich habe dich als einen Menschen kennenlernen, der einen echten Beitrag für diese Welt leisten will und somit ist es nicht verwunderlich, dass du als einer der ersten Unternehmer in Deutschland Mitglied der Bewegung Gemeinwohl-Ökonomie bist und mit deinem Unternehmen eine Gemeinwohl-Bilanz aufstellst. Was das bedeutet, darüber sprechen wir gleich in dem Interview.

Lieber Heinrich, ich freue mich, dass wir heute hier zusammensitzen und du bei Transforming Organisations mit dabei bist.

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Du lädst regelmäßig Menschen ein, die sich mit Bewusstseinsentwicklung auseinandersetzen, um gemeinsam den Bereich des Bewusstseins weiter zu erforschen. Gleichzeitig bist du Mitinitiator des Philosophie-Festivals der Liebe „Become Love“. Was hat dein Interesse an diesen Themen geweckt?

Ich hatte einmal einen Mitarbeiter, der hat mir ein Buch geschenkt. Und dieses Buch hat mir sehr gut gefallen. Das Buch ist von John Izzo, „Five secrets you must discover before you die“. Er hat in dem Buch beschrieben und das war für mich wichtig, dass ich die Geheimnisse noch entdecken muss, die es zu entdecken gibt, bevor ich sterbe. Und eins dieser Geheimnisse war „Werde Liebe“ – „Become Love“.

Und da habe ich mir gedacht: Dieses Liebe werden, das gilt es noch zu verwirklichen in deinem Leben, neben den anderen Geheimnissen, die dort aufgezählt werden. Das ist sicher ein Beweggrund, aber natürlich nicht der einzige, weil wenn man die Intuition einlädt, dann kommen Leute zu einem, die einen im Bewusstsein weiterbringen. Und so ein Mensch, das war der Maik Hosang, der irgendwann zufälligerweise in meinem Hotel in Berlin anwesend war, mich kennengelernt hat und ein gemeinsames Projekt vorgeschlagen hat: den Transformationspiloten. Maik war damals schon ein bisschen in der Richtung unterwegs zum Spiral Dynamics. Ich fand das spannend und hab gesagt dass ich dabei bin. Für solche Projekte kann ich mich gerne hergeben. So sind wir zusammengekommen.

Ich bin dann nach Pommritz gefahren und habe die Philosophieausstellung dort gesehen, die Sophia. Sie hat mich sehr fasziniert. Und dann ist eins zum andern gekommen. Dann wollte unbedingt dieses Pommritz zu mir.

Und das ist dann auch zu mir gekommen. Ich durfte es dann kaufen und bin inzwischen ganz glücklich damit, weil ich damit eine Stätte gefunden habe, wo wir gemeinsam die Philosophie weiterbringen können und die Liebe weiterbringen können. Das „become Love Festival“ habe ich zusammen mit Maik Hosang und Dolores Richter ins Leben gebracht, und das wird auch noch weiterleben.

In unserem Podcast interessiert uns besonders die Sicht auf den Menschen in Unternehmen. Was ist deiner Meinung nach die größte Herausforderung für mehr Menschlichkeit in Unternehmen?

Mit die größte Herausforderung ist unsere freie Marktwirtschaft. Und in dieser freien Marktwirtschaft da arbeiten wir nach der Maxime mit möglichst wenig, möglichst viel zu erwirtschaften. Das Keynesianische Prinzip hat da einen ganz krassen Fehler aufgebaut. Wir kümmern uns nicht um die Umwelt. Wir kümmern uns nicht um die Mitmenschen. Es geht um die Gewinnmaximierung. Und das funktioniert auf Dauer absolut nicht auf unserer Erde. Und da glaube ich, dass wir schon einen Irrweg gehen in unserer Entwicklung. Keynes (John Maynard Keynes (1883–1946) ist ja jetzt auch 50 Jahre alt. (Die letzten 50 Jahre sind in der Menschheitsgeschichte sowieso auch nur ein ganz kleiner Bereich). Wir werden das ablegen müssen.

Und die Menschlichkeit: Ich denke, wir müssen menschlicher werden. Wir müssen die Ökonomie und Ökologie besser beachten. Wir müssen uns unseres Tuns bewusst werden. Und das ist jetzt etwas, was mich auch immer wieder antriggert. Ich bin jetzt auch schon mehrfacher Großvater. Meine Enkelkinder werden mich irgendwann man fragen: „Na Opa, was hast du in der Zeit gemacht, wo du aktiv warst? Was hast du gemacht in Richtung Zerstörung der Umwelt oder in Richtung Aufrechterhaltung der Systeme?“

Wenn du sagst, wir müssen menschlicher werden, was heißt das für dich? Welches Menschenbild ist bei der WBS Training AG etabliert?

Unser Menschenbild, das wir schon seit vielen, vielen Jahren haben, ist der liebevolle Umgang miteinander.Wie ich zur WBS gekommen bin, damals, als ich die WBS gekauft habe, hat der damalige Geschäftsführer und Vorstand, etwas ganz Tolles eingeführt, dass auch für mich ein Stück weit überraschend war: Er hat die Anrede in Briefen und Mails „Lieber Herr und Liebe Frau sowieso“ eingeführt. Und das fand ich total schön und gut und neu auch für mich, weil bis dahin war das immer „Sehr geehrter Herr“ oder „Sehr geehrte Frau“.

Irgendwann, ein paar Jahre darauf, haben wir in einem Management Meeting, gemeinsam mit 10,15 Mitarbeitern und Führungskräften, die Vision erarbeitet. Jeder durfte sein Visionsbild malen. Und als Visionsbild ist etwas ganz Tolles herausgekommen. Es hat sich ein Herz herauskristallisiert. Die ganzen Bilder sind zusammengefasst worden in ein Herz. Und dieses Herz hat dann noch viele Accessoires gekriegt, nämlich Ohren, zum guten Hören, wenn man den Kunden zuhört und ein Gehirn, also wir sind mit dem Kopf dabei, und so weiter. Das war das Herz. Das war unser Visionsbild. Und diese Herzlichkeit hat jeder unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

In dem Onboarding, das es bei uns gibt, ein zweitägiges Einarbeiten in die WBS, in unsere Firmenphilosophie, in unser Corporate Behavior, da ist dieses Visionsbild, dieses Herz ein ganz zentrales Element.

Jetzt bietet ihr jede Menge Mitarbeiterförderprogramme an. Ihr tut viel für eure Mitarbeiter, unabhängig von der liebevollen Umgebung. Welche Erfahrungen hast du hier gemacht? Und stellen Mitarbeiter auch schon mal ein Hindernis für Entwicklung oder Unternehmenskultur dar?

Also die Erfahrung, die ich da gemacht habe ist, dass ich meine Ungeduld beherrschen lernen muss. Weil, ich hätte gerne all diese Erkenntnisse, die ich im Laufe meines Lebens gelernt habe, all meinen Mitarbeitern mitgegeben. Und mir wird da immer mehr und immer wieder bewusst, dass jeder der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einen eigenen Lebensweg gehen darf und soll. Wenn ich einen neuen Mitarbeiter habe, der vielleicht 25/30 Jahre alt ist und wenn ich da auf meine inzwischen 65 Jahre schaue, dann ist da natürlich ein Unterschied von 35 Jahren. Und in diesen 35 Jahren hat er seine Zeit, dahin zu kommen – und das darf er auch. Und ich bin mir ganz sicher, wenn jemand sich jetzt mit all den Möglichkeiten auf dem Weg macht, dass er viel weiterkommen wird, als ich. Weil ich setze mich erst seit 20 Jahren intensiver mit dem Thema auseinander.

Also auf deine Frage nochmal zurückkommend: Natürlich braucht jeder seine Zeit . Die Angebote, die wir machen in der WBS, das sind Angebote. Die dürfen angenommen werden, müssen aber nicht angenommen werden. Mein Wunsch ist da, dass wir alle irgendwo auf einem guten Weg sind oder auf einen guten Weg kommen.

Wer trägt deiner Meinung nach die Verantwortung für eine Mitarbeiterentwicklung und die Gesundheit des Mitarbeiters

Jeder an seiner Stelle. Ich denke, dass ist nicht nur eine Verantwortung, die von den Führungskräften und vom Chef oder von den Chefs wahrgenommen werden muss, sondern da dürfen sich alle selber bei der Nase nehmen und sagen „auch ich bin für meine Gesundheit selbst verantwortlich“ Und das geht sicherlich einher mit einer gewissen Bewusstseinsbildung. Sich bewusst werden, dass zum Beispiel eine ausgewogene, gute Ernährung mit viel Gemüse und vielen Vitaminen besser ist, als zu viel Fleischkonsum.

Kommen wir zu dem Thema Gemeinwohl-Ökonomie. Du bist Mitglied der Bewegung für Gemeinwohl Ökonomie. Was bedeutet das für ein Unternehmen und für die Menschlichkeit in Unternehmen?

Ich bin auf die Gemeinwohlökonomie aufmerksam geworden, weil ich einen Vortrag von dem Christian Felber beiwohnen durfte. Das war ein schönes Erlebnis und da ist mir bewusst geworden, wie es in einer guten Gesellschaft und in einer guten Ökonomie, Ökologie aussehen sollte. Dieser Themen der Gemeinwohl-Ökonomie, die beschäftigen mich seit 20 Jahren. Sie sind jetzt nur durch den Christian Felber nochmal auf den Punkt gebracht worden. In seiner Gemeinwohlbilanz, werden sehr viele verschiedene Bereiche angesprochen.

Gemeinwohl ist ja nicht nur ein gerechtes Mitarbeiterentlohnungssystem, sondern das ist auch ein Umweltbewusstsein. Das ist auch ein Einkauf, der nach ethischen Grundsätzen erfolgt.

Und was bringt diese Gemeinwohl-Ökonomie?

Die bringt natürlich mehr Bewusstsein in jeden Einzelnen. Und wenn wir mehr Bewusstsein in unserer Firma haben, dann leisten wir damit auch einen guten Beitrag in unserer Gesellschaft, weil wir ausgehend von uns auch anderen zeigen, dass wir Themen, wie wir einkaufen und wo wir einkaufen und wie wir mit unseren Ressourcen umgehen wichtig nehmen. Zum Beispiel haben wir vor zwei Jahren bundesweit in allen Niederlassungen unsere Leuchtstoffröhren ausgetauscht, um einfach den Energieverbrauch zu verringern, um die Voraussetzung vielleicht zu schaffen, dass wir unsere Kohlekraftwerke abschalten können und Atomkraftwerke abschalten können, weil das unheilvoll ist, weil wir die Umwelt verschmutzen. Also die Gemeinwohl-Ökonomie bringt mehr Menschlichkeit, weil wir dann dafür sorgen, dass es in der gesamten Gesellschaft liebevoller wird.

Also das Wichtige ist, dass es nicht unbedingt nur für das Unternehmen intern ist, sondern dass das Unternehmen intern handelt, um in der Welt oder in der Umgebung im Gemeinwohl letztlich etwas zu bewirken.

Welchen Tipp hast du an Führungskräfte und Mitarbeiter für mehr Menschlichkeit zu sorgen?  

Für Führungskräfte und für Mitarbeiter habe ich den Tipp, einfach bewusster zu werden, achtsamer zu werden. Neugierig zu sein und die Dinge zu hinterfragen und nicht immer alles für gegeben anzunehmen, sondern sich ein eigenes Bild zu machen.

Und da gibt es eine ganz fantastische Möglichkeit, du kennst sie auch sehr gut Andrea, und zwar ist das die Meditation. Stille Meditation jeden Tag beginnend mit 10 Minuten, zum Beispiel sich hinzusetzten und Stille einkehren zu lassen. Und in diese Stille kommt dann sehr oft die Intuition dann auch Dinge anders anzusehen und das bereichert das Leben ungemein.

Es heißt ja bei Meditation schöpft den Tag.

Wenn du jetzt eine Sache in der Welt einführen könntest, die ein Miteinander, die persönliche Entfaltung und Verwirklichung von Menschen in Unternehmen noch mehr fördert und wenn es für die Umsetzung keine Hürden gäbe, was würdest du tun?

Das ist die 1Mio Dollar Frage, was würde ich tun? Also ich würde für mehr Bewusstsein, also für eine bessere Ausbildung in der ganzen Welt sorgen. Ich würde vor allem in Afrika, Asien den Menschen mehr Bewusstsein beibringen und ja, ich würde die Ungerechtigkeiten, die es gibt, abschaffen, mit daran arbeiten abzuschaffen und ja… Ich weiß ganz genau, es gibt eine wunderbare Möglichkeit, das zu tun.

Was ich machen würde: Ich würde die Rüstungsausgaben dramatisch reduzieren oder auch abschaffen. Also diese Milliarden – diese hunderte, tausende von Milliarden, die wir jährlich für Rüstung ausgeben, brauchen wir nicht mehr. Costa Rica, ein Land ohne Militär. Es funktioniert wunderbar. Kümmert sich um Umwelt. Die leben auch und es passiert nichts und es ist alles wunderbar. Also alles ist dort auch nicht wunderbar, aber es geht auch ohne Rüstungsausgaben.Vielleicht für die innere Sicherheit noch, aber wenn man die Liebe fördert, das Verständnis, Völkerverständigung und in der Gesellschaft mehr das Miteinander fördert, das Geld dafür ausgibt, das wäre unglaublich. Da hätte man so viel Geld für diese Programme zur Verfügung, da würde die Menschheit einen Shift machen, das wäre ein Boost.

 Wie ist deine Vision für Leben und Arbeiten der Zukunft?

Ja, das wird ganz aktuell eine ganz große Herausforderung für uns werden, weil durch Industrie 4.0 werden sehr viele Arbeitsplätze wegfallen. Ich bin glücklich, dass ich in einem Bildungsunternehmen arbeite. Wir werden daran arbeiten bzw. mitarbeiten dürfen, ein neues Selbstverständnis für die Menschen hier in der westlichen Welt – oder überhaupt dem Menschen ein neues Selbstverständnis beizubringen, dass nicht nur die Arbeit das ist, wofür wir auf der Welt sind, sondern dass es da auch noch andere Werte gibt. Aber unser Wertegefüge momentan ist ja noch immer so: Wenn du nicht von 9 Uhr bis 5 Uhr arbeitest, dann bist du kein gutes Mitglied in der Gesellschaft und dann bist du nichts wert. In dem Moment, wo du arbeitslos wirst, hast du ein riesen Selbstwertproblem. Also das muss sich ändern. Also es wird in Zukunft viele Menschen geben, die nicht mehr nine to five haben und da wird es andere Modelle geben müssen und die werden kommen, wie ich mich immer noch als wertvoller Mensch fühlen kann.

Und das kann sein, dass ich in die Muße gehe, dass ich sehr viel meditiere und in die Ruhe kommen und dass ich daran arbeite, dass ich eins werde mit allem. Mit der Natur. Also es kann gut sein, dass dann jemand, der einen ganzen Tag spazieren geht und möglichst wenig Umweltschädigung macht und sich von Gräsern und von Beeren ernährt, dass der dann abends sagt: Ich habe einen super Tag hinter mir und ich habe ein super gutes Gefühl und ich bin ein guter Mensch. Ich habe das gut gemacht heute.

Da ist in deiner Version Lohn für Arbeit dann entkoppelt.

Ja, definitiv. Das wird es nicht mehr geben. Die Roboter werden all unsere Arbeit verrichten und das bedingungslose Grundeinkommen, das ist unaufhaltsam. Das muss kommen.

Lieber Heinrich, vielen Dank für das interessante Gespräch. Hat mich sehr gefreut.

Ja. Danke dir auch für die Fragen, die mir auch gut gefallen haben. Auch bei mir für mehr Bewusstsein führen. Wenn ich solche Fragen beantworten darf, bin ich auch froh, weil ich weiß, dass nicht nur ich mich mit den Dingen befasse, sondern auch andere.

Vielen Dank!

Danke!

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