Folge 5 – Lena Johanna Schmitt, Coach und Co-Founderin von Venture Ladies

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Podcast: Transforming Organisations for Humanity – Folge #5

„Wenn eine Führungskraft Dinge nicht lebt, sie aber von den Mitarbeitern erwartet, wird das nicht funktionieren.“

Kun Ya Andrea Schmidt hat sich mit Lena Johanna Schmitt über Menschlichkeit, gute Arbeitsbeziehungen und Digitalisierung unterhalten und darüber, was jeder einzelne für sich in dieser sich schnell wandelnden Zeit tun kann.

Wir freuen uns, dir dieses Interview zu präsentieren. Schreibe uns deine Meinung, deine Erfahrungen oder dein Fragen gerne in das Kommentarfeld. Und nun viel Spaß beim Hören.

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Heute ist Lena Johanna Schmitt zu Gast in unserem Podcast Transforming Organisations. Lena arbeitete bis vor kurzem für das Berliner Startup DaWanda, ein Online-Portal, auf dem selbstgefertigte Produkte zum Kauf angeboten werden. Sie baute hier den Bereich des Videomarketings auf und ist zuständig für Trainings und Workshops für ca. 160 Mitarbeiter. Außerdem ist Lena als Business Coach und Trainerin im Familienunternehmen Schmitt und Partner tätig. Sie ist eine von drei Gründerinnen von Venture Ladies, eine interdisziplinäre Plattform für Frauen aus dem Bereich Venture Capital, Unternehmensgründung und Startups.

Herzlich willkommen Lena, ich freue mich, dass du bei Transforming Organisations dabei bist.

Ich mich auch, Dankeschön!

Möchtest du kurz unseren Zuhörern erklären, was deine Hauptaufgaben in deiner Tätigkeit als Organisatorin für Trainings für Mitarbeiter war und auch deine Aufgabenstellung als selbstständige Trainerin?

Ja, sehr gerne. Also es sind zwei verschiedene Bereiche. Einmal haben wir den Bereich, wo ich für meinen Vater arbeite, also für Schmitt und Partner. Da ist es so, dass Firmen oder auch die IHK ein bestimmtes Training buchen, beispielsweise eine Trainerausbildung, also „Train the Trainer“ oder eine Businesscoach Ausbildung. Hier gibt es eine ganz klare Agenda. Das heißt, die Menschen, die sich anmelden oder schon angemeldet sind, die wissen schon recht klar, was sie erwartet. Im besten Fall schaffe ich es, die Erwartungen durch meine Performance zu übertreffen.

Bei Unternehmen ist es ein bisschen anders. Wenn ich in ein Unternehmen gehe, dann sind da Probleme oder Fragestellungen und es ist nicht klar, was die beste Möglichkeit ist, um diese Probleme zu lösen bzw. die Fragestellung zu bearbeiten, denn es sind komplexe Themen. Also wie z.B. Leadership. Die Aufgabenstellungen lassen sich nicht so einfach mit einem Training bearbeiten und dann sagt man „Jetzt ist alles Top!“, sondern man muss erstmal ein Konzept entwickeln und sich fragen „Was ist die richtige Vorgehensweise?“.
Ich schaue mir dafür sehr speziell vier Komponenten: Das ist zum einen, – ich nenne das ganz große Konzept „better Relations – dass ich mir überlege, wie kann ich innerhalb einer Firma die Beziehungen verbessern? „Beziehungen“ klingt jetzt auf deutsch vielleicht etwas komisch, aber „Relations“ auf englisch zeigt es wohl ganz gut. Wir haben einmal die Beziehungen zu einem selber, also zum Individuum. Das heißt, wie kann ich z.B. meine eigene Kommunikation verbessern? Oder wie kann ich mich selber besser organisieren?

Die zweite Komponente ist das Team, was ich mir anschaue. Also wie kann die Zusammenarbeit verbessert werden? Wie sieht es mit der gesamten Organisation im Moment aus? Wo gibt es Knackpunkte?

Der dritte Bereich ist das Produkt. Also wie kann ich meine Beziehung zum Produkt verbessern? Kann ich vielleicht an einem Produkt etwas verändern? Was gibt es da für Möglichkeiten?

Und die vierte Komponente ist natürlich der Kunde. Wie ist die Beziehung zu meinem Kunden aktuell und wie kann ich sie verbessern? Kann ich z.B. ein besseres Reklamationsmanagement anbieten? Oder kann ich meinen Kundenkreis erweitern?

Genau diese Dinge schaue ich mir an. Es ist genau das, was die Arbeit im Unternehmen spannend macht, dass ich mir das große Ganze anschaue und dadurch erkenne, wie kann ich die Aufgabenstellung herunterbrechen? Was gibt es für Möglichkeiten im Bereich Training? Wie kann ich Mitarbeiter schulen? Was gibt es bereits für Möglichkeiten im Bereich von Workshops, der Neuentwicklung von Dingen oder auch im Bereich von Coaching? Wie kann sich die einzelne Person Ihrem Ziel nähern?

Und wenn wir jetzt über das Thema Menschlichkeit in Unternehmen sprechen, wo ist deiner Meinung nach die größte Herausforderung?

Also zum einen ist natürlich die Frage spannend, was verstehen wir überhaupt unter Menschlichkeit? Also was bedeutet „Menschlichkeit“? Habt ihr da eine klare Definition?

Nein, wir haben selbst keine klare Definition und wollen auch bewusst keine vorgeben. Menschlichkeit ist ein riesegroßer Begriff, deswegen sprechen wir mit verschiedenen Menschen aus unterschiedlichen Disziplinen und schauen, was jeder über Menschlichkeit zu sagen hat.
Wenn du aber für dich im Unternehmenskontext schaust, wie wird das Menschenbild hier gehandhabt?

Also ich denke, in meinem Bereich ist Menschlichkeit sehr stark zu spüren in der Kultur. Also was für eine Kultur hat ein Unternehmen? Ich übersetze das ganz gerne mit der Frage bzw. der Definition „That´s how we do things here“. Also Kultur ist einfach, wie wir die Dinge machen.

Und eine Kultur lässt sich dementsprechend auch nicht so schnell verändern bzw. es hat ja einen Grund, dass die Kultur so ist, wie sie ist. Es gibt Firmen, die haben eine sehr menschliche Kultur, im dem Sinne, dass sie kollaborativ arbeiten, dass sie wertschätzend miteinander umgehen. Es gibt aber auch Unternehmen, die sehr kompetitiv arbeiten. Beides hat seine Vor- und Nachteile. Man muss eben schauen, was ist mein Produkt? Was ist mein Unternehmen? Und dann passt meine Kultur zu meinem Unternehmen und meinem Produkt. Und wenn nicht, was kann ich verändern? Also welche Dinge sind hilfreich, und welche sind weniger hilfreich?

Das ist eine spannende Ansicht. Aber in einer Unternehmenskultur muss sich jeder Mensch bewegen können. Und da kommen wir eher zum Kern, wie wir Menschlichkeit sehen. Das heißt, wie wird der einzelne Mensch gesehen? Was meinst du?

Also ich benutze sehr gerne den Spruch „Der Fisch stinkt immer vom Kopf“, das ist der umgekehrte Schluss. Das heißt, wenn eine Führungskraft Dinge nicht lebt, sie aber von den Mitarbeitern erwartet, wird das nicht funktionieren. Als einfaches Beispiel: Wenn sie selber sich zu schade ist, ihre benutzte Kaffeetasse in die Spülmaschine zu stellen, dann braucht sie sich nicht wundern, warum ihre Mitarbeiter es nicht machen. Das ist der eine Aspekt.

Natürlich wird die Kultur von der Führungskraft so gebildet, dass wir auch Menschen anziehen, die uns ähnlich sind. Wenn wir gründen, dann umgeben wir uns mit Menschen, die unsere Werte teilen, die unsere Überzeugungen teilen. Aber irgendwann haben wir evtl. Personaler, Leute die für uns das Recruiting übernehmen. Dann wird die Kultur vielleicht nochmal verändert.

Die Frage ist, passen wir dann noch dazu? Oder besser, passen die Führungskräfte und die Mitarbeiter noch zum Unternehmen? Also ist es ein guter oder ein schlechter Fit?

Ich glaube, was man immer, egal ob in einem kompetitiven oder kollaborativen Umfeld haben muss, ist die emotionale Sicherheit. Es gab vor kurzem eine Studie dazu, dass Mitarbeiter dann am besten performen, wenn sie emotionale Sicherheit haben. Und zwar so verstanden, dass sie ihre Führungskraft einschätzen können. Also nicht unbedingt, dass die Führungskraft immer lieb und nett ist, sondern dass der Mitarbeiter weiß: „Ich kann mich auf sein Verhalten verlassen“.
Und das ist mit die wichtigste Komponente, egal in welchem Umfeld. Wir kennen das aus dem privatem Umfeld, aus der Kindererziehung beispielsweise. Für Kinder ist es oft am Schwierigsten, wenn sie nicht wissen, mach ich jetzt gerade etwas falsch? Mach ich jetzt gerade etwas richtig? Ist Mama gut drauf oder ist sie schlecht drauf? Wie ist sie jetzt gerade? Unsicherheit sorgt oft für eine hohe Instabilität. Wenn wir das aufs Berufliche übertragen, dann sind wir schon mal einen Schritt weiter und haben eine gute Basis.

Das gilt ja letztendlich auch für den Mitarbeiter selbst, oder? Wie siehst du das?

Ja, das ist eine Frage, die sehr stark in den privaten Bereich geht. Weil wir natürlich auch im Beruflichen in irgendeiner Form als privater Mensch sind. Wir haben alle einen Rucksack an Erfahrungen, an Dingen, die wir erlebt haben. Unsere Persönlichkeit hat sich ja aus einem bestimmten Grund so herausgebildet, wie wir sind.

Ich glaube es gibt manche Jobs, in denen es leichter ist, eine innere Instabilität zu verbergen und in manchen ist es schwerer. Also es kommt darauf an, wie privat ich in meinem Job sein kann, würde ich sagen. Oder wie stark kann ich ich selbst sein? Und dem entsprechend auch, wie stark beeinflusst es dann meine Arbeit, ob ich innerlich stabil bin und eine innere Sicherheit habe, oder ob ich sie nicht habe.

Viele Menschen stellen sich diese Frage heutzutage nicht nur aus einem beruflichen Kontext heraus. Nach dem, wie kann ich besser werden? Sondern eher nach dem, wie kann ich glücklicher werden? Das ist mittlerweile eine ganz andere Frage, die dahintersteckt. Und das spielt eben auch ganz stark in den privaten Bereich hinein. Also ich kann nicht erwarten, dass wenn ich zum Beispiel gerade Probleme zuhause habe, dass ich dann auf der Arbeit sitze und sofort der High-Performer bin, der jetzt loslegt und alles ist klar. Also ja, das hat einen unheimlichen Einfluss.

Kommen wir zur Diskussion über die Digitalisierung. Es gibt mittlerweile jede Menge Studien die sagen, dass Menschen unter anderem bedingt durch die Digitalisierung vermehrt krank werden. Was denkst du, was ist der Grund, warum Digitalisierung krank macht?

Ich glaube, das ist ein recht komplexer Begriff. Die Digitalisierung kann hilfreich sein, sie kann aber auch weniger hilfreich sein. Was eine wichtige Basis ist, ist zu verstehen, (und das sagt die Resilienz-Forschung) dass eine wichtige Komponente von Resilienz, aber auch vom Glücklichsein, soziale Kontakte sind. Und wenn ich es schaffe, über digitale Plattformen echte, gute Kontakte herzustellen oder vielleicht auch beizubehalten, dann kann das sehr hilfreich sein. Wenn es aber bedeutet, dass ich mich nur noch in der virtuellen Welt bewege und keinen tatsächlichen Kontakt mehr habe, dann ist es wahrscheinlich schwierig. Dann sorgt es für eine noch größere Einsamkeit.

Gleichzeitig ist die Vergleichbarkeit auch unheimlich gewachsen durch die Digitalisierung. Auch hier gibt es zahlreiche Studien dazu, die besagen, dass Menschen, die zum Beispiel auf Facebook längere Zeit verbringen, unglücklicher sind. Einfach deswegen, weil sie die ganze Zeit sehen: Alle hängen nur am Strand ab, alle haben ein super Leben, allen geht es wunderbar. Und man selber vergleicht sich nun und denkt, “Mensch, warum ist das bei mir alles nicht so“ Das führt natürlich zu einer höheren Unzufriedenheit.

Ich habe Medienwissenschaften studiert, und schon damals, als diese ganzen Netzwerke aufkamen, war für uns trotzdem die größte Erkenntnis: Das hat was. Das ist spannend.

Wichtig ist, die Nutzbarkeit und der Umgang damit. Also nicht, Digitalisierung zu verteufeln, sondern eher zu sagen, wie können wir so damit umgehen, dass sie unser Leben besser macht und nicht schwieriger.
Und wenn wir nochmal zum Thema soziale Kontakte zurückkommen: Was wir nicht vergessen dürfen ist, dass die Körpersprache einen wahnsinnigen Einfluss hat, der sehr viel ausmacht. Bei manchen Kommunikationskanälen ist sie nicht mehr dabei. Dann kann ich mein Gegenüber nicht mehr lesen.

Auch bei uns in der Firma gibt es natürlich verschiedene Kanäle, die genutzt werden. Zum Beispiel Skype oder Slack oder E-Mail oder interne Kommunikationstool, und dass das irgendwann auch overwhelming sein kann, d.h. dass es überfordert und das es für Verwirrung sorgen kann.

Welchen Einfluss hat Digitalisierung auf das Thema Menschenbild in Unternehmen oder auf das Menschenbild im Allgemeinen?

Ich glaube, wenn ich die Antwort auf diese Frage wüsste, wäre ich eine extrem hochdotierte Rednerin, die die ganze Zeit nur um die Welt jetten würde.
Ich glaube das werden wir einfach sehen. Was wir machen können ist, sehr genau hinzuschauen, uns damit auseinanderzusetzen und eben auch immer wieder die Nutzung in Frage zu stellen.

Und wenn du zurück denkst an die Zeit bei DaWanda, du hast von der Nutzung interner Netzwerke und Social Media Plattformen gesprochen.
Ist es dann am Arbeitsplatz auch schon so, dass man sich zu sehr auf die „Freundschaften im Netz“ konzentriert, als auf den Arbeitskollegen, der gegenüber am Schreibtisch sitzt?

Also im Arbeitskontext habe ich das nicht beobachten können. Einfach deswegen, weil es im Arbeitskontext war. Da exisiterit ein gewisser „Need“ mit seinen Kollegen zu sprechen und nicht mit seinen Facebook-Freunden, denn man will seine Arbeit schaffen.
Aber auch hier gibt es Vor- und Nachteile. Wenn ich zum Beispiel sehe, dass wir mit unserem Office in Polen über eine Live-Schaltung ständig mit den Kollegen verbunden waren, ist das natürlich ein toller Vorteil. Das ist eine digitale Lösung, bei der man sagt „Klasse!“ Aber gleichzeitig: Wenn ich einem Kollegen, der zehn Meter weiter sitzt, schnell mal eine E-Mail schreibe, anstatt rüber zu gehen, dann hinterfrage ich mich schon. Klar, es war wohl praktischer, aber da fehlt der persönliche Kontakt absolut.

Und was wir natürlich auch nicht vergessen dürfen ist, dass die Digitalisierung nicht nur Kommunikation ist, sondern es gibt auch so viele Punkte, die unser Leben leichter machen. Gleichzeitig sind es aber auch wahnsinnig viele.

Im Automobilbereich zum Beispiel, dass wir heute super easy Autos mieten können. Das konnten wir uns vor zehn Jahren nicht vorstellen. Da war das noch sehr kompliziert. Man musste vorher buchen, wahrscheinlich noch anrufen und seinen Personalausweis mitbringen, uns so weiter und sofort. Das war alles sehr komplex und auch sehr teuer.
Das ist natürlich ein Vorteil, aber gleichzeitig, zum Beispiel hier in Berlin, gibt es auch die Studie, dass dieses einfache Handling dafür gesorgt hat, dass mehr Menschen Auto fahren. Und das ist ja überhaupt nicht der Sinn, also dass quasi die Umwelt stärker verschmutzt wird als zuvor. Insgesamt lassen sich die gesellschaftlichen Auswirkungen vorher oft gar nicht voraussehen. Als Unternehmen wahrscheinlich schon, weil hier hofft man ja darauf, viele Nutzer zu haben.

Lass uns nochmal zurück kommen zum Thema Krankheitsfaktor. Die Leute werden krank durch Arbeit und… ich weiß die Frage ist jetzt wieder etwas schwieriger, aber was könnte man deiner Meinung nach tun, damit Arbeit nicht mehr krank macht?

Ich glaube, zum einen haben wir mittlerweile ganz andere Ansprüche an unser Leben. Früher war Arbeit ganz klar.“ Ich muss Geld verdienen, damit ich mir was zu essen leisten kann, damit ich überlebe.“ Heute ist es mehr so: Ich will mich selbst verwirklichen, ich will meine Talente gut einsetzten etc.

Ich sehe es als absoluten Luxus an, das machen zu können. Also sagen zu können: Ich mache eine Arbeit, die mir Freude macht, die mich erfüllt. Wo ich abends nach Hause gehe und sage „Wow, heute war ein super Tag!“, weil das und das passiert ist. Mir ist absolut klar, dass das nicht vielen Menschen gegönnt ist, aber dadurch ist natürlich auch der Anspruch von eine Gesamtgesellschaft: Arbeit muss Spaß machen, Arbeit muss Freude machen.

Die Frage ist, wie kann ich individuell herausfinden, was für mich das Richtige ist. Also hier auch wieder weniger die Vergleichbarkeit, im Sinne zum anderen zu schauen und zu sagen: „Mensch! Der hat jetzt noch einen Blog aufgebaut. Der Blog sieht toll aus und hat super viele Follower, ist wahnsinnig erfolgreich. Wieso habe ich das nicht?“ Vielleicht, weil einfach ein Blog nicht das Richtige für mich ist und ich auch gar keine Lust darauf habe, einen zu machen.

Also stark auf sich hören und für sich selber herausfinden, was macht mich glücklich? Auch das Thema Geld. Wie viel Geld brauche ich wirklich zum leben und um mir die Träume zu erfüllen, die für mich wichtig sind und nicht für andere. Ich muss nicht unbedingt ein Designermöbelstück haben, nur weil es andere haben, sondern ich muss in mich hinein hören: „Macht mich das persönlich wirklich glücklich? Hat mein Opa vielleicht so einen Sessel und ich wünsche mir wieder, so einen zu haben, weil er mich an ihn erinnert.“

Das glaube ich, ist eine gute Richtung, die wir verfolgen können.

Wenn du jetzt alle Möglichkeiten hättest und dir keinerlei Hindernisse und Hürden im Weg stehen, was würdest du einrichten in Unternehmen oder was würdest du etablieren, damit Arbeit wieder gesünder macht?

Also natürlich auf jeden Fall das, was ich gemacht habe. Nämlich auf die persönliche Weiterentwicklung der Mitarbeiter zu setzen. Das ist eine Sache.

Das nächste sind Netzwerke. Ich würde darauf achten, was können wir für Dinge installieren, die dafür sorgen, dass die Menschen tatsächlich zusammenkommen. Klar, wenn ein Unternehmen auf der ganzen Welt verteilt ist, dann handelt es sich wahrscheinlich auch eher um ein digitales Netzwerk, aber die persönlichen Kontakte stärken, durch verschiedene Initiativen.

Ich würde schauen, wie wir das Thema Sharing Knowledge, also Wissen teilen, wie wir das vorantreiben können, und vor allem im Bezug auf: „Wer kann was?“ Weil erst dann, wenn ich weiß, was die Menschen um mich herum tun, und was sie leisten können, was sie vielleicht auch für mich leisten können, spreche ich die richtigen Partner innerhalb meines Unternehmens an. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Menschen oft überhaupt nicht wissen, was andere Abteilungen wirklich machen. Sie wissen zwar, wie die Kollegen heißen, aber die wissen nicht, was sie tatsächlich tun.

Das nächste sind Expertenprofile. Meine kleine Schwester war an der Montessori Schule und eines hat mich damals schon sehr begeistert: Sie hatte einen riesigen Ordner mit allem, was sie gemacht hat. Ob es rechnen lernen oder multiplizieren war, es gab verschieden Stufen: die erste war kennengelernt, die zweite war geübt und die dritte war gekonnt. Die Lehrerin hat immer individuell angekreuzt, wo steht sie gerade. Und dadurch hatte meine Schwester ein wahnsinnig gutes Bild von dem, was sie kann und wo sie sich noch weiterentwickeln kann.
So etwas in der Art würde ich jedem Unternehmen empfehlen. Denn das ist für den Mitarbeiter selber eine Motivation und für das Unternehmen super, um zu sehen, welche Expertise hat der Mitarbeiter. Weil oft liegt Expertise brach, weil Leute gar nicht wissen: „Mensch, der kann das ja auch oder die kann ja in dem Bereich auch arbeiten.“

Und ich würde einführen, dass man ergebnis- und nicht stundenorientiert arbeitet. Das ist natürlich wahnsinnig schwierig, weil dafür braucht man sehr klare Zielvereinbarungen. Man braucht auch eine hohe Loyalität bei den Mitarbeitern und die müssen sich ihrer Verantwortung bewusst sein, weil eine Zielerreichung nicht bedeutet: „ich schludere das jetzt hin, so dass ich dann heute um zwei Uhr gehen kann.“ sondern es bedeutet, dass ich den eigenen Anspruch daran habe, meine Arbeit gut zu machen. Und dass ein gemeinsames Ergebnis erreicht werden muss. Das ist eine geteilte Verantwortung, die dadurch entsteht.

Sehr schön! Du hast gerade von Netzwerken gesprochen und du bist ja engagiert in der Initiative Venture Ladies und das ist eine Initiative die besonders Frauen fördert. Und warum habt ihr das damals in die Welt gerufen?

Also wir haben festgestellt, dass Frauen zwar sehr gut netzwerken, aber eher privat. Und dann haben wir gesagt, lass und doch eine Möglichkeit schaffen, wo Frauen über Business Themen sprechen und wo sie sich bewusst gegenseitig voranbringen. Und dann haben wir Venture Ladies initiiert. Wir treffen uns einmal im Monat zu Meet-ups. Jeder sagt ganz kurz, was er macht, was er sucht, was er bietet und dann geht sofort das Netzwerken los. Jeder kann auf jeden zugehen.
Und die andere Komponente ist, dass wir auch hier Sharing Knowledge betreiben. Dass wir sagen, wir unterstützen uns gegenseitig mit Workshops, mit Trainings. Z.B. hatten wir vor kurzem eine Panneldiskussion.

Wir machen die Arbeit in unserer Freizeit, weil uns das Thema einfach sehr begeistert und wir sehen, was tolles entsteht, wenn Menschen miteinander reden, wenn sie sich gegenseitig unterstützen und wenn die richtigen Leute zusammenkommen.

Und wir sind ganz happy. Mittlerweile sind wir über 1.200 Mitglieder, die nur über Empfehlungen gekommen sind. Wir haben keinerlei Werbung gemacht. Und da sieht man einfach mal, was passiert, wenn eine gute Sache startet, gute Menschen zusammenkommen, die bringen wieder andere gute Menschen dazu. Und dann entstehen gute Sachen.

Eine vorletzte Frage: Wenn wir jetzt einen Sprung in die Zukunft machen, in das Jahr 2030, wie arbeiten und leben wir da als Mensch? Aus deiner Idee heraus.

Ich glaube, dass die Arbeit wesentlich flexibler wird. Und ich hoffe sehr, dass es von den Themen Geld und Status hin zu dem Thema Sinn geht. Also dass Menschen die Freiheit haben, das zu tun, was sie gerne tun und was sie gut tun. Und dass sie ihren persönlichen Sinn dahinter entdecken und sich dadurch auch selber motivieren.

Was sind deine 3 wichtigsten Hashtags?

Ja. Das ist einmal natürlich #BetterRelations, weil das mein Motto ist. Das zweite ist #Networking, weil ich das wahnsinnig gerne mache, innerhalb von Firmen, aber auch privat, wie zum Beispiel bei den Venture Ladies. Und das dritte ist noch #Feedbackmonkey, weil das mein Konzept ist, das ich entwickelt habe, zum Thema Feedback. Wie man sich innerhalb einer Firma beispielsweise auch mal etwas unangenehmere Dinge sagen kann und zwar so, dass es konstruktiv ist, wertschätzend und dass es sehr sehr schnell und beiläufig funktioniert und wir nicht groß drum herumreden müssen und dadurch auch besser zusammenarbeiten können.

Super! Ganz ganz herzlichen Dank für die Zeit und das du da warst.

Gerne.


Shownotes: Venture Ladies auf Facebook

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